16.-19.04.2026

Frühjahrsseminar. April.

Digitalisierung und KI in der Medizin: Frühjahrsseminar der Jungen Nierenkranken in Fulda

Vom 16. bis 19. April 2026 trafen wir uns Hotel Lenz in Fulda zum Frühjahrsseminar mit Mitgliederversammlung. Im Mittelpunkt standen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) in der Medizin. Beide Themen rücken im Alltag von Kliniken und Praxen immer stärker in den Fokus, bieten Chancen und Risiken und betreffen uns als Patientinnen und Patienten unmittelbar. Das E-Rezept haben wir inzwischen alle erlebt, und die elektronische Patientenakte (ePA) ist bei einigen schon im Einsatz. Wer nicht vor Ort sein konnte, hatte die Möglichkeit, kostenlos digital über Teams teilzunehmen. Nach der Anreise am Donnerstag und einem gemeinsamen Abendessen begann am Freitag das Fachprogramm.

KI in der Medizin: Einstieg und Überblick mit Prof. Hohenstein

Am Vormittag führte Prof. Dr. Bernd Hohenstein aus Villingen-Schwenningen in die Welt der KI ein. Er begann ganz grundsätzlich: Digital ist alles, was sich in Bytes übersetzen lässt. Als Beispiel verglich er ein PDF-Dokument mit dem Foto eines Autos. Beides lässt sich als Daten darstellen, und genau darauf beruht der Einsatz von KI. Als Grundstein nannte er die Vektorisierung, also die Umwandlung von Informationen in Zahlenreihen, mit denen Computer rechnen können. Dass wir heute so enorme Mengen an Daten und Informationen haben, bezeichnete er als regelrechte Informationsrevolution.

Anhand neuronaler Netze zeigte er, wie KI arbeitet. Die Berechnungen werden auf Grundlage der eingegebenen Daten immer wieder neu angepasst. Die Stärke liegt darin, dass KI sehr große Datenmengen parallel und in kurzer Zeit durchsuchen, verarbeiten und in ein Ergebnis übersetzen kann. Zudem lässt sie sich flexibel an unterschiedliche Aufgaben anpassen. Wie weit diese Entwicklung gehen kann, machte er an den Schachcomputern Deep Blue und dem Go-Programm AlphaGo deutlich. Er sprach auch die Singularität an, also die Vorstellung, dass KI den Menschen irgendwann in seinen Fähigkeiten übertrifft. Dazu erläuterte er den Zyklus großer Sprachmodelle (LLM), auf denen Anwendungen wie ChatGPT, Claude und Gemini beruhen.

Einen Ausblick gab er auf das Quantencomputing. Als Beispiel nannte er die sogenannte Quantenüberlegenheit: Google hatte 2019 berichtet, ein Quantenprozessor habe eine Berechnung in 200 Sekunden durchgeführt, für die die schnellsten Supercomputer rund 10.000 Jahre bräuchten. IBM widersprach allerdings und hielt dagegen, dass ein Supercomputer dieselbe Aufgabe bei angepasstem Vorgehen in rund 2,5 Tagen lösen könnte. Unabhängig vom Streit darüber zeigt das Beispiel, welche Rechenleistung hier möglich werden könnte. Das hat auch Folgen für die Sicherheit, denn leistungsfähige Quantencomputer könnten künftig heutige Passwörter und Verschlüsselungen gefährden.

Praktisch wurde es bei den Einsatzmöglichkeiten im Gesundheitsbereich. Prof. Hohenstein zeigte verschiedene KI-Systeme und ihre Leistungsfähigkeit. Am Beispiel des neuen Gesundheitsgesetzes demonstrierte er, wie sich komplexe Texte mit KI erschließen lassen, und er zeigte, wie eine KI zu Dialyse und Ernährung beraten kann. Ebenso führte er Transkriptionsmodelle vor, die Gespräche in Text umwandeln, und die Erstellung von Briefen per KI.

Er sprach aber auch die Gefahren an. Wenn KI mit falschen oder einseitigen Daten arbeitet, kann das zu Diskriminierung führen. Besonders bei Gesundheitsdaten braucht es deshalb geschlossene Systeme, die nur im jeweiligen Zentrum ausgewertet werden und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) unterliegen. Rechtliche Rahmenbedingungen wie die DSGVO, der Serverstandort und hausinterne Lösungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Zum Schluss verwies er auf den Podcast „Niere 2 go“.

Künstliche Intelligenz: Was ist das, und wie setzen wir sie richtig ein?

Von der Digitalisierung führte der Vortrag schließlich zurück zur KI, die Prof. Hohenstein am Vormittag vorgestellt hatte. Lars Otte vertiefte die Grundlagen: Was bedeutet KI, seit wann gibt es sie, und wie lernt sie? Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Gemeinsam ist den gängigen Beschreibungen, dass IT-Systeme menschenähnliche Fähigkeiten wie Sehen, Sprechen oder Entscheiden nachahmen oder unterstützen. Heutige KI lernt, indem sie aus großen Datenmengen Muster erkennt. Sie beherrscht dabei jeweils nur klar umrissene Aufgaben, eine dem Menschen gleichwertige „starke“ KI gibt es nicht.

Beispiele sind virtuelle Assistenten wie Alexa oder Siri, Suchmaschinen, Chatbots und Empfehlungssysteme bei Streamingdiensten. Besonders verbreitet sind Sprachmodelle wie ChatGPT, die sich mit Verfahren wie RAG auch auf bestimmte eigene Informationen stützen können. Es gibt aber auch beunruhigende Anwendungen wie Deepfakes, also täuschend echte gefälschte Videos und von KI produzierte Fehler, das so genannte Halluzinieren.

Zum Schluss ging es um ethische Fragen. Entscheidungen von KI müssen nachvollziehbar sein, und sensible Daten brauchen Schutz. Die Systeme dürfen niemanden benachteiligen. Gerade im Gesundheitswesen ist besondere Sorgfalt nötig, damit KI den Menschen nützt und nicht schadet. Damit schloss sich der Kreis zu den Warnungen von Prof. Hohenstein.

Workshop: Wie erleben wir Digitalisierung und KI als Betroffene?

Im anschließenden Workshop stand unsere eigene Perspektive im Mittelpunkt: Wie erleben wir als Betroffene Digitalisierung und KI in der Medizin? Was wurde bereits umgesetzt, und wo hakt es? Eine Zusammenfassung des Tages beschloss das Fachprogramm, bevor wir den Abend beim gemeinsamen Essen in Hohmanns Brauhaus in Fulda ausklingen ließen.

Mitgliederversammlung und 25-Jahr-Feier am Samstag

Der Samstag gehörte dem Verein. Am Vormittag fand im Tagungsraum des Hotels Lenz die Mitgliederversammlung statt, 

Den Höhepunkt des Wochenendes bildete am Abend die Feier zum 25-jährigen Bestehen des Vereins im Hotel Lenz. Mit Live Musik, einer Aktion mit geschenkten Lebensjahren, Rückblick auf 25 Jahre, viel Austausch und einem Vier Gänge Menü war der Abend für alle ein tolles Erlebnis.

Nach diesem Abend freuen wir uns alle auf die nächsten 25 Jahre.